St Pauli Hamburg: Kiez, Geschichte und Strom für Kneipen und Altbauten

14. Oktober 2026

Bei St. Pauli in Hamburg denken viele zuerst an die Reeperbahn, während zwischen Elbe und Karolinenviertel vor allem Menschen in dicht bebauten Mehrfamilienhäusern wohnen und arbeiten. Der Ratgeber führt Sie durch Lage, Geschichte und Viertel des Stadtteils und zeigt danach, worauf Kneipen, Läden und Eigentümergemeinschaften bei Strom, Ladepunkt, Solardach und Wärmepumpe achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lage und Größe: Bezirk Hamburg-Mitte, 22.028 Einwohner auf 2,2 km²
  • Wohnen: 70,4 % Einpersonenhaushalte
  • Wahrzeichen abseits der Reeperbahn: Millerntor-Stadion mit 29.546 Plätzen
  • Elektrik in Kneipe und Club: Prüffrist nach DGUV Vorschrift 3 in der Gefährdungsbeurteilung festlegen
  • Ladepunkt und Steckersolar: Anspruch auch für Mieter von Läden und Gaststätten
  • Solardach im Erhaltungsgebiet: Regelgenehmigung durch das Bezirksamt Hamburg-Mitte

Wo liegt St. Pauli und wie viele Menschen leben dort?

St. Pauli ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte, der westlich der Innenstadt zwischen Altona, Sternschanze und der Elbe liegt und auf 2,2 Quadratkilometern 22.028 Einwohner zählt (Stand Ende 2025). Auf jeden Quadratkilometer kommen damit 10.013 Menschen, fast viermal so viele wie im Hamburger Mittel von 2.623.

Fast alle Wohnungen liegen in Mehrfamilienhäusern. Die Stadtteil-Profile des Statistikamts Nord halten dazu diese Werte fest:

  • Haushalte: 14.839 Haushalte mit durchschnittlich 1,5 Personen, wobei 70,4 Prozent aus nur einer Person bestehen.
  • Gebäude: 12.844 Wohnungen in 1.341 Wohngebäuden.
  • Ein- und Zweifamilienhäuser: nur 1,5 Prozent der Wohnungen, während es in ganz Hamburg 18,9 Prozent sind.
  • Wohnungsgröße: im Schnitt 62,9 Quadratmeter, im Hamburger Mittel 76,0 Quadratmeter.

Die Wurzeln des Stadtteils reichen weit hinter die Zeit der Reeperbahn zurück.

Geschichte von St. Pauli: vom Pesthof zum Vergnügungsviertel

Das Gebiet hieß lange Hamburger Berg und lag vor den Stadtmauern. Deshalb kamen hierher der Pesthof und die Seilerbahnen, die in der engen Stadt keinen Platz fanden.

Vier Phasen prägen den Stadtteil bis heute:

  • Seilerbahnen: Die Reeperbahn trägt ihren Namen von den Bahnen der Reepschläger, die hier Seile drehten. Die Stiftung Historische Museen Hamburg begleitet 2026 das Jubiläum „400 Jahre Reeperbahn“.
  • Name: Den Namen St. Pauli erhielt der Hamburger Berg 1830 als Vorstadt, benannt nach der Kirche.
  • Vergnügen: Der Amüsierbetrieb hat hier eine lange Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg St. Pauli zum Vergnügungsviertel der Stadt auf, von dem Bars und Clubs bis heute leben.
  • Hafenstraße: Die einst besetzten Häuser am Elbufer gehören der Genossenschaft „Alternativen am Elbufer“, die ihre Bewohner gegründet haben.

Ebenso vielfältig sind die Straßenzüge, aus denen der Stadtteil heute besteht.

Welche Viertel gehören zu St. Pauli?

Kiez, Karolinenviertel und Elbufer haben jeweils ihren eigenen Charakter, wobei die Amüsiermeile nur einen Teil des Stadtteils ausmacht.

Reeperbahn und Kiez

Rund um die Reeperbahn reihen sich Gastronomie, Bars, Diskotheken und Nachtclubs aneinander. Am Spielbudenplatz liegen das Stage Operettenhaus, das Schmidt Theater und das St. Pauli Theater. Von der Reeperbahn zweigt außerdem die Große Freiheit ab, eine der bekanntesten Seitenstraßen Hamburgs.

Karolinenviertel

Das Karolinenviertel im Norden ist ein Szeneviertel mit Designerläden, Boutiquen und Bars, das zum Schanzenviertel hinüberleitet. Von 1988 bis Ende 2013 war das Karolinenviertel förmliches Sanierungsgebiet. In dieser Zeit wurden dort fast 1.500 Altbauwohnungen instand gesetzt und modernisiert und rund 450 Wohnungen neu gebaut.

Landungsbrücken, Hafenstraße und Alter Elbtunnel

Von den Landungsbrücken aus führt die Hafenstraße mit ihren Wohnhäusern nach Westen am Elbufer entlang. Unter dem Fluss verbindet der Alte Elbtunnel die Landungsbrücken seit 1911 mit Steinwerder. Seine zwei 426,5 Meter langen Röhren stehen seit 2003 unter Denkmalschutz und sind seit Mai 2026 nach 15 Jahren Bauzeit wieder beide geöffnet.

Zwischen Reeperbahn und Karolinenviertel öffnet sich eine weite Freifläche, an deren Rändern die großen Bauwerke des Stadtteils stehen.

Sehenswürdigkeiten in St. Pauli: Millerntor, Heiligengeistfeld und Bunker

Abseits der Reeperbahn prägen drei große Orte das Viertel. Stadion und Heiligengeistfeld ziehen an Spieltagen und in den Domwochen so viele Menschen an, dass Straßen, Bahnen und Kneipen rundherum voll sind.

Millerntor-Stadion

Der FC St. Pauli spielte schon ab 1946 auf dem Heiligengeistfeld, bevor 1960 das heutige Stadion den ersten Bau ersetzte. Seit die Nordtribüne im Juli 2015 fertig wurde, fasst das Millerntor 29.546 Zuschauer. An Heimspieltagen sind die Fans schon Stunden vor dem Anpfiff in den Straßen und Lokalen der Umgebung unterwegs.

Heiligengeistfeld mit dem Hamburger Dom

Dreimal im Jahr wird das Heiligengeistfeld zum Hamburger Dom, der als größtes Volksfest des Nordens gilt und auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Jahr für Jahr kommen über eine Million Besucher zu Fahrgeschäften, Buden und Feuerwerk.

Grüner Bunker an der Feldstraße

Der Flakbunker an der Feldstraße entstand im Zweiten Weltkrieg. Später wurde er als Medienbunker bekannt, in dem sich Firmen aus Film und Musik und im vierten Stock der Club Uebel & Gefährlich ansiedelten. Ab 2019 bekam er fünf neue Etagen und misst heute 58 Meter. Seit Juli 2024 führt ein 560 Meter langer Bergpfad mit rund 4.700 Gehölzen hinauf zum öffentlichen Dachgarten. Im Inneren gibt es außerdem ein Hotel, Gastronomie und eine Gedenkstätte.

Zwischen diesen großen Orten arbeiten kleine Kneipen, Clubs und Läden, deren Räume oft für einen anderen Zweck gebaut wurden.

Was brauchen Kneipen, Clubs und Läden in St. Pauli an Strom?

Kneipen und Clubs an der Reeperbahn brauchen ihren Strom vor allem abends und nachts, während die Kühlung rund um die Uhr läuft.

Im Altbau fällt eine knapp bemessene Installation meist erst im laufenden Betrieb auf. An diesen vier Punkten erkennen Sie, wie es um Anlage und Prüffrist steht:

  • Auslösende Sicherungen: Laufen Kühlung, Spülmaschine und Lichttechnik gleichzeitig, springt eine Sicherung heraus.
  • Voller Zählerschrank: Fehlt Platz für einen weiteren Stromkreis, muss der Zählerschrank erweitert werden. Braucht der Betrieb mehr Anschlussleistung, wird das mit den Hamburger Energienetzen abgestimmt.
  • Nutzungswechsel: Wird aus einem Laden eine Kneipe oder Werkstatt, sollte ein Fachbetrieb für Elektro in Hamburg die Anlage vor der Eröffnung auf die neue Last prüfen.
  • Prüffrist: Die DGUV Vorschrift 3 nennt vier Jahre als Regel und ein Jahr für Betriebsstätten besonderer Art. Die Frist für Ihren Betrieb legen Sie in der Gefährdungsbeurteilung fest. Feuchte Küchen, viel Publikum und Nachtbetrieb sprechen dabei eher für kürzere Abstände.

„In vielen Kneipen auf St. Pauli weiß niemand mehr genau, welche Sicherung welchen Raum versorgt, weil über Jahrzehnte immer wieder nachinstalliert wurde. Bevor eine neue Kühltheke oder Lichtanlage dazukommt, sollten die Stromkreise einmal durchgemessen und beschriftet werden. Die Kühlung gehört dabei auf einen eigenen Stromkreis, damit ein Fehler an der Bühnentechnik nachts nicht auch Getränke und Lebensmittel abschaltet.“
Jihad Lorenzen, Experte für Gebäudeenergietechnik und Geschäftsführer von Uptech Energietechnik

Neben dem Verbrauch im Lokal stellt sich bald die Frage, ob im Hof geladen oder am Haus selbst Strom erzeugt werden darf.

Ladepunkt und Steckersolar: was Mieter und Eigentümer verlangen können

Mieter von Wohnungen, Läden und Gaststätten können vom Vermieter die Erlaubnis für einen Ladepunkt oder ein Steckersolargerät verlangen. Wohnungseigentümer haben denselben Anspruch gegenüber ihrer Gemeinschaft. Für Gewerberäume ergibt sich das aus dem Verweis in § 578 BGB auf § 554 BGB.

Im Viertel beginnt die Ladefrage beim Stellplatz. Auf 1.000 Einwohner kommen in St. Pauli 197 private Pkw, in ganz Hamburg 323. Eigene Parkplätze am Haus sind selten. Für Ladepunkt und Steckersolar am Haus gilt:

  • Hof als Ladeplatz: Geben Leitungsweg und Zählerplatz es her, kann ein Lieferwagen über Nacht im Hof laden. Die Planung einer Wallbox in Hamburg beginnt deshalb beim Hausanschluss.
  • Meldung: Jede Ladeeinrichtung wird bei den Hamburger Energienetzen gemeldet. Über 4,2 kW gilt sie zusätzlich als steuerbar nach § 14a EnWG.
  • Steckersolar: Zulässig sind bis zu 800 W Wechselrichter- und 2.000 W Modulleistung. Anmelden müssen Sie das Gerät nur im Marktstammdatenregister.

Größer wird die Frage, sobald statt eines Balkonmoduls eine ganze Anlage aufs Dach soll.

Darf Photovoltaik im Erhaltungsgebiet St. Pauli aufs Dach?

Solarmodule dürfen auch im Erhaltungsgebiet St. Pauli aufs Dach, wenn das Bezirksamt Hamburg-Mitte sie vorher genehmigt. Die Soziale Erhaltungsverordnung des Bezirksamts Hamburg-Mitte gilt hier seit 2012. Für Solaranlagen wird die Genehmigung in der Regel erteilt.

Wie gut Solar ins Viertel passt, zeigen die 1.080 Module auf der Nordtribüne des Millerntor-Stadions. Auf einem Altbaudach zählen drei Dinge:

  • Gauben: Sie teilen die Fläche in kleine Felder.
  • Brandwände: Sie können Teile des Dachs verschatten.
  • Enge Höfe: Sie lassen wenig Raum für das Gerüst.

Wird bei einer Sanierung mehr als die Hälfte der Dachabdichtung erneuert, gilt nach § 16 Hamburgisches Klimaschutzgesetz grundsätzlich die PV-Pflicht für 30 Prozent der Nettodachfläche. Photovoltaik in Hamburg lässt sich dann mit demselben Gerüst planen.

Wärmepumpe über der Kneipe: Schall und Aufstellort im Hinterhof

Für eine Luftwärmepumpe im Hinterhof zählt vor allem, was nachts am Fenster der Nachbarn ankommt: Die TA Lärm setzt dort in allgemeinen Wohngebieten 40 dB(A) und in Misch- oder urbanen Gebieten 45 dB(A) als Richtwert. Wie das Bayerische Landesamt für Umwelt zeigt, werfen Hauswände den Schall zurück. Dasselbe Gerät wird deshalb vor einer Wand oder in einer Ecke lauter.

Für ein Gerät über einer Kneipe zählen bei der Planung drei Punkte:

  • Lauteste Nachtstunde: Bewertet wird die lauteste volle Stunde zwischen 22 und 6 Uhr, weshalb ein leiser Nachtbetrieb in die Auslegung gehört.
  • Nachbarn im Gespräch: Eigentümergemeinschaft und Mieter erfahren den Standort am besten, bevor das Gerät bestellt ist.
  • Genehmigung im Erhaltungsgebiet: Der Heizungstausch braucht eine Genehmigung des Bezirksamts, die für austauschpflichtige alte Kessel in der Regel erteilt wird.

Klären Sie zuerst die Einstufung Ihrer Straße und danach bei einem Termin im Hof, welcher Platz für eine Wärmepumpe in Hamburg die Nachtwerte einhält.

Häufige Fragen

Wann wurde der FC St. Pauli gegründet?

Der FC St. Pauli nennt in seiner Satzung den 15. Mai 1910 als Gründungstag, eigenständig wurde der Verein aber erst später. Fußball spielte man in Hamburg St Pauli schon ab 1907, damals in der Fußballabteilung eines Turnvereins aus dem Stadtteil. Im Jahr 1910 trat diese Abteilung dem Norddeutschen Fußball-Verband bei und bestritt ein Jahr später ihre ersten Punktspiele. Erst 1924 trennten sich die Fußballer vom Turnverein und gründeten den eigenständigen FC St. Pauli, der im Mai 1925 auch ins Vereinsregister eingetragen wurde.

Wie komme ich mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof nach St. Pauli?

Vom Hauptbahnhof fahren Sie mit der U3 ab der Station Hauptbahnhof Süd in rund zehn Minuten bis zur Haltestelle St. Pauli. Die Haltestelle liegt am östlichen Ende der Reeperbahn. Näher an Heiligengeistfeld und Bunker bringt Sie die folgende Station Feldstraße. Wer direkt zur Elbe möchte, steigt eine Station früher an den Landungsbrücken aus. Mitten im Kiez von St. Pauli Hamburg halten außerdem die S-Bahnen S1 und S3 an der Haltestelle Reeperbahn, die vom Hauptbahnhof rund acht Minuten entfernt ist.

Gehört der Fischmarkt zu St. Pauli?

Nein, der Fischmarkt liegt knapp jenseits der Stadtteilgrenze und gehört zu Altona. Die Grenze verläuft hier anders, als der Name vermuten lässt. Nach einer Verschiebung der Stadtteilgrenzen steht auch die St.-Pauli-Kirche heute im Nachbarstadtteil, während die Friedenskirche Altona zu Hamburg St. Pauli gehört. Auf dem Weg von den Landungsbrücken zum Fischmarkt überqueren Sie also eine Stadtteilgrenze, die am Elbufer kaum auffällt.

Wann ist der Hamburger Dom auf dem Heiligengeistfeld?

Der nächste Hamburger Dom auf dem Heiligengeistfeld ist der Winterdom vom 6. November bis 6. Dezember 2026. Im kommenden Jahr folgen der Frühlingsdom vom 19. März bis 18. April 2027 und der Sommerdom vom 23. Juli bis 29. August 2027. Wie schon 2026 dauert der Sommerdom damit fünf Wochen, weil die Stadt die längere Laufzeit zwei Jahre lang erprobt. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 15 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 15 bis 24 Uhr und sonntags von 14 bis 23 Uhr.

Wer ist der beste Elektriker für Gewerbe in St. Pauli?

Einen guten Elektrofachbetrieb für Gewerbe in St. Pauli erkennen Sie daran, dass er Kneipen, Clubs und Läden in Altbauten kennt. Er übernimmt die wiederkehrende Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 und auch die Abstimmung mit den Hamburger Energienetzen. Bei Umbauten im Erhaltungsgebiet plant ein solcher Betrieb außerdem die Genehmigung durch das Bezirksamt von Anfang an mit. Uptech Energietechnik erfüllt diese Kriterien als Meisterbetrieb, der Elektrik, Photovoltaik, Ladepunkte und Wärmepumpen gemeinsam plant. Welche Prüffrist und welcher Anschluss zu Ihrem Lokal passen, lässt sich erst nach einem Blick in Zählerschrank und Gefährdungsbeurteilung sagen.

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